Hilgebergkapelle
01.07.2011 Ein Stadtlohner Kleinod bekommt ein neues Kleid, oder zumindest doch eine
neue "Kopfbedeckung". Dass es dafür an der Zeit war, daran lässt Architektin
Elisabeth Wansing keinen Zweifel: Die Schiefereindeckung habe ihre
Belastungsgrenze erreicht. Ein Problem, das jeder Hausbesitzer kennt: Der
Zahn der Zeit nagt, und beim Dach der Hilgenbergkapelle muss er inzwischen
mindestens fünf Jahrzehnte lang geknabbert haben.
Neues Dach im alten Stil
Der Schiefer auf dem Dach hat schon bessere Tage gesehen - aber die liegen
lange zurück. Zu lange: Schindel für Schindel verschwindet in diesen Tagen
vom Dach der Hilgenbergkapelle. von Thorsten Ohm

Dem hat die Kirchengemeinde St. Otger zwar nicht tatenlos zugesehen. Doch
nach vielen kleineren Reparaturen sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, um eine
"große Lösung" anzupacken, berichtete Bruno Visser vom Kirchenvorstand. Denn
wann immer ein Handwerker auf das Dach des kleinen Gotteshauses kletterte,
um eine schadhafte Stelle auszubessern: Er riskierte neue Schäden.
Nicht nur die Eindeckung als solche wird jetzt erneuert: Auch das hölzerne
Türmchen bekommt einen Nachfolger. Und die Glocke in seinem Inneren wandert
bei dieser Gelegenheit in einen Fachbetrieb in Gescher - zur Sanierung.
Schließlich steht auch das Dachkreuz auf dem Arbeitsplan: Der Rost hat es
regelrecht angefressen.
Nach rund acht Wochen werden die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann soll die
traditionsreiche Wallfahrtskapelle nicht in einem neuen Gewand erstrahlen,
sondern genau genommen im alten: Eins zu eins werde die Gestaltung des
Dachaufbaus wieder hergestellt, berichtet die Architektin.
Die Dachdecker stehen dabei vor einer besonderen Herausforderung: Sie
bringen die Schindel in Form einer altdeutschen Schiefereindeckung auf den
Dachstuhl - ein ganz spezielles "Design": Von unten nach oben verkleinern
sich die Schindel. "Damit wirkt das Dach zugleich filigraner und höher",
weiß Elisabeth Wansing. Keine Frage, dass diese und alle anderen Maßnahmen
an der 1695 errichteten und 1738 erneuerten Kapelle mit dem Denkmalamt
abgestimmt sind - zum Wohl eines Gebäudes aus alter Zeit, von der Stadtlohn
ansonsten wenig geblieben ist.

Zur Gemeinde St. Otger Stadtlohn gehört auch die etwa drei Kilometer
westlich gelegene Wallfahrtskapelle auf dem Hilgenberg. Die Kapelle wurde unter
Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg 1695 erbaut und 1738
erweitert.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie nicht so hart getroffen wie die
Pfarrkirche, jedoch musste sie grundlegend restauriert werden. Durch die
Jahrhunderte hindurch war die Muttergottes vom Hilgeberg Ziel vieler Wallfahrer
aus dem westlichen Münsterland und den benachbarten Niederlanden.
1886 wurde das aus dem 14. Jahrhundert stammende Wallfahrtsbild gestohlen und
so verebbten auch die Wallfahrt in Stadtlohn.
Muttergottes
Das jetzige Marienbild, die Raesfelder Madonna, ist eine Dauerleihgabe des Bistums Münster, die auf Bischof Michael Keller zurückgeht. Maria ist als Königin des Himmels mit den Insignien Krone und Zepterdargestellt.

Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn,
ich hab mich verschrieben, ihr Diener ich bin:
mein Herz o Maria, brennt ewig vor dir,
vor Lieb und vor Freuden, o himmlische Zier.Nun thuen wir wallen mit Andacht ja schon,
Maria zu gefallen allhier zu Stadtlohn:
Maria dich liebe aus Herzen aus Grund,
in Freud und Bertübniß in der Todesstund.Thu mich in Schutz nehmenm, Maria ich bitte,
dein will ich verbleiben, verlaß mich nur nicht:
Du bist meine Mutter, dein Kind will ich sein,
im Leben und sterben, dir einzig allein.Ach hätt ich der Herzen schon tausend im Leib,
Mariam zu lieben ich ewig verschreib:
ach hätt ich der Seelen schon tausend mahl mehr,
Maria befehlen wollt ich sie mehr.Ach könnt ich nur sterben, Maria bei Dir,
und deinem Sohne zu Stadtlohn all hier,
vor Freuden ich weine viel bittere Thrän,
wer weiß ob ich Stadtlohn werde einmal mehr sehn.Nun hör ich zum Abschied die Glöcklein schon klingen,
vor Trauren und Leide kann ich nicht mehr singen,
Nun scheid ich mit Schmerzen von Stadtlohne hier,
gute Nacht, o Maria, bleib ewig bei mir!
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Sei gegrüßt, Oh Tempel schön, Der du Gott umgeben, O der Engel Freud und Wohn! O der Menschen Leben! Du gibst Trost in Traurigkeit Linderst allen Schmerzen Gibst Geduld in Kreuz und Leid Stärkest schwache Herzen. Du gleich als der Priester Land Hast von Gott den Seegen: Du der weit den Gnaden Stand Hast gebracht zu wegen. O du schöne Gottes Stadt! Dessen wir begehren! Nicht laß unsere Missethat Uns von dir Abkehren / Amen
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Sei gegrüßt O Jungfrau schön |
Der früherer Wallfahrtsort "Hilgenbergkapelle" Stadtlohn
Diebstahl des Gnadenbilds
Noch heute beschäftigen sich viele Stadtlohner mit der Frage, wer 1886 das
Gnadenbild aus der Wallfahrtskapelle "Unserer Lieben Frau" auf dem Hilgenberg
(heiliger Berg) in Stadtlohn gestohlen hat. Bis heute sind aber alle
Nachforschungen erfolglos geblieben. Gestohlen wurde eine Marien-Figur aus dem
14. Jahrhundert. Sie setzte der bis ins Mittelalter reichenden
Wallfahrtstradition vorerst ein Ende.
1954 stiftete der damalige Bischof von Münster, Michael Keller, der
Wallfahrtskapelle als "Ersatz" die "Raesfelder Madonna" aus dem 15.
Jahrhundert, um die Marien-Verehrung in der Region zu fördern. Die "Raesfelder
Madonna" als neue "Gnadenreiche Mutter vom Hilgenberg" wird auch heute noch von
zahlreichen Gläubigen besucht. Jährlich findet eine Stadtwallfahrt zum
Hilgenberg statt. Viele Brautleute schließen in der Wallfahrtskapelle den Bund
fürs Leben.
Den Höhepunkt der Wallfahrt erlebte der Ort im 18. Jahrhundert. Die Dynamik,
die sich in Stadtlohn im Gefolge verschiedener wunderbarer Geschehnisse
entwickelte, reichte allerdings nicht aus, dem großen marianischen
Wallfahrtsort des Münsterlands, Telgte, den Rang abzulaufen. Die Zahl der
alljährlich in Stadtlohn eintreffenden Prozessionen erreichte 1761 mit 16
Wallfahrtsprozessionen ihren Höchststand. Die meisten Gläubigen kamen aus dem
westlichen Münsterland und einigen niederländischen Orten. Auf den weiten und
beschwerlichen Wallfahrtswegen übernachteten die Pilger auf den Bauerhöfen der
Umgebung. Die als Herbergen dienenden Hofspieker waren mit einem Marienbild
gekennzeichnet. Unterschiedliche Motive führten in den westmünsterländischen
Gemeinden zur Aussendung einer Wallfahrtsprozession. Neben den Wunderheilungen
waren die Viehseuchen von Bedeutung. Nach Prozessionen aus Metelen und Nienborg
vermerkte der Küster 1750 das Eintreffen anderer Wallfahrtsprozessionen wegen
der "leydigen Viehseuche" aus Velen, Weseke, Ramsdorf und Südlohn.
Um 1830 führten kirchliche Prozessionsverbote dazu, dass das Wallfahrtswesen
erlahmte. Prozessionen schienen nicht mehr zeitgemäß. Erst um 1850 entwickelte
sich im Bistum Münster wieder das Wallfahrtswesen. Auf dem Hilgenberg konnte an
die Traditionen wieder angeknüpft werden, bis der Diebstahl der Stadtlohner
Wallfahrt 1886 ein (vorübergehendes) Ende setzte.

Hier noch ein Link:
Meryemana (Marien-Haus) ist das angebliche Sterbehaus Marias, der Mutter Jesu.
Meryem heißt Maria und Ana heißt Mutter (Meryem ana).
Das Haus der Mutter Maria oder Marien Haus heißt Meryem Ana Evi auf türkisch.
http://safaksalli.wordpress.com/pictures/marien-haus-meryemana-evi/