STADTLOHN - ESTERN
Neujahr
Nij Jaor afwinnen
"Glückseaist nee Joar"
Guten Rutsch ins Neue Jahr
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Wieso wünscht man einen Guten Rutsch?
Einen guten Rutsch! — das wünscht man einander zum Jahreswechsel. Doch woher
kommt dieser Ausdruck? Zu dieser Zeit begleiten oft Schneematsch und Glatteis
die Wetterverhältnisse. Aber damit hat es nichts zu tun. Auch die Verknüpfung
des Gedankens mit dem Hineingleiten ins nächste Jahr, wie „Einen guten Rutsch
ins neue Jahr“ ist nur eine einleuchtend klingende, aber falsche Erklärung.
Dieser Rutsch kommt über das jiddische/rotwelsche rosch auf das hebräische rosh.
"Rosh", das ist das Wort für "Kopf", für das "Haupt". Und von daher wird es dann
auch zur Bezeichnung für den "Ersten" oder auch den "Anfang". Und "Shana", das
ist das hebräische Wort für das Jahr.
ראש השנה טוב
"Rosh Shana" heißt der erste Tag des Jahres auf Hebräisch. "Rosh", das ist das
Wort für "Kopf", für das "Haupt". Und von daher wird es dann auch zur
Bezeichnung für den "Ersten" oder auch den "Anfang". Und "Shana", das ist das
hebräische Wort für das Jahr. "Rosh Shana", das ist dementsprechend ganz
einfach der Jahresanfang.
Und einen guten Jahresanfang, den haben sich unter uns auch die Juden gewünscht.
Sie taten es jedoch nicht auf Hebräisch, sondern auf Jiddisch. Und im Jiddischen
wurde aus dem "Rosh" ein "Rutsch". Sich einen guten Rutsch zu wünschen, das
heißt also nichts anderes, als sich einen guten Anfang zu wünschen. So wünschten
sich die Juden unter uns viel Glück und gutes Gelingen für das neue Jahr.
Ich wünsche ihnen auch Allen einen „Guten Rutsch“
Das Neujahrssingen
In den früheren Jahren, man kann sagen bis zu den ersten Nachkriegsjahren des
zweiten Weltkrieges, war es nicht üblich, dass der Jahreswechsel in den Familien
oder in den Gaststätten gefeiert wurde. Vielleicht war es der eine Grund, dass
die finanziellen Mittel doch überwiegend eng bemessen waren, anderseits war es
wahrscheinlich einfach noch nicht üblich. Doch die jungen Burschen des Dorfes
sahen im Jahreswechsel schon einen Grund zum Feiern.
So zogen sie in der Silvesternacht von Haus zu Haus und wünschten mit Ihrem
Neujahrslied den jeweiligen Hausbesitzern ein gutes Neues Jahr.
Neujahrslied
1. Als ich vom tiefen Schlaf erwacht
und an das Neue Jahr gedacht,
Heißa Viktoria, ein glückseliges Neues Jahr.
Die Jungfrau schaut zum Fenster heraus
und schmeißt uns ein Mettwurst hinaus,
Heißa Viktoria, ein glückseliges Neues Jahr.
2. Guten Morgen, guten Morgen in diesem Haus!
Wir wünschen euch, euch wünschen wir
ein glückseliges Neues Jahr,
ein glückseliges Neues Jahr!
3. Herr und Fraue, Herrn und Fraue in diesem Haus!
wir wünschen euch, euch wünschen wir
ein glückseliges Neues Jahr,
ein glückseliges Neues Jahr!
4. Söhn und Töchter, Söhn und Töchter in diesem Haus!
wir wünschen euch, euch wünschen wir
ein glückseliges Neues Jahr,
ein glückseliges Neues Jahr!
5. Mägd' und Knechte, Mägd' und Knechte in diesem Haus!
wir wünschen euch, euch wünschen wir
ein glückseliges Neues Jahr,
ein glückseliges Neues Jahr!
Der Hausherr öffnete ein Fenster und reichte ein Mettwurst oder ein Geldstück
heraus. Auf einer großen Holzgoffel wurden die Würste gesammelt. Man wünschte
sich gegenseitig: "Prosit Neujahr, Prosit Neujahr!"
Als Dank trugen dann die Sänger dann die Strophe sechs des Neujahrsliedes vor:
6. Und dem Herren ins gemein
wünschen wir ein gut's Glas Wein
und seiner Frau im selbigen Ton
wohl übers Jahr ein' kleiner Sohn.
Heißa Viktoria, ein glückseliges Neues Jahr,
ein glückseliges Neues Jahr.
Erhielten die Sänger kein "Neujährken" wünschten sie Ratten und Mäuse in dieses
Haus:
7. Ratten und Mäuse, Ratten und Mäuse in dieses Haus!
wir wünschen euch, euch wünschen wir
Ratten und Mäuse in dieses Haus,
Ratten und Mäuse in dieses Haus!
Am Neujahrstag, oft auch schon in der Neujahrsnacht, wurden die gesammelten
Würste und auch Eier für die jungen Burschen gekocht. Es gab ein ausgiebiges
Essen, natürlich wurde dazu auch noch das nötige Bier dazu getrunken.
Lieder der Deutschen, 1931-34